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SY-Leila.de > 2012

 

Hier ein Bericht von Jutta Sein, in diesem Jahr war sie 2 Wochen auf der SY-Leila:

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Mit 66 Jahren mutig ab auf die leicht schwankende "Leila"

 Sein Jutta.jpg

Segeln – wie geht das?

Wir wollten 14 Tage in der Ägäis mit der Segelyacht Leila unterwegs sein. Leila ist ein Zweimaster, 14 Meter lang und hat für Zeiten der Flaute einen Sechszylinder-Ford-Reihenmotor mit 135 PS im Bauch. Vorne gibt es eine Genua, eine Klüver und einen Spinnacker. Tja, so was lernt man auch an Bord. (Für Nichtsegler: Das sind drei Segel, die vorne vor den ersten Mast gesetzt werden.) Naja, ich bin auch nach diesem Törn kein Segler geworden, aber ein paar Namen und Handgriffe habe ich doch gelernt.

Es fing damit an, dass uns Norbert, der Eigentümer der SY Leila ist, einen Brief mit kilometerlangen Verhaltensmaßregeln schickte: Keine Hartschalenkoffer, kleines Gepäck in weichen Taschen, Anti-Schlecht-Pflaster, kein Fön, er habe zwei an Bord, Handtücher sollte man mitbringen, aber kein Bettzeug und so weiter, und so weiter. Da verlor ich ja schon beim Lesen den Mut zu diesem irrwitzigen Segeltörn.

Kai beim Tuefteln.jpg 

Kai beim Tüfteln

Schließlich saß ich mit Katja und Kai dann doch im Flieger von Frankfurt nach Kos (Griechenland). Wir kamen erst im Dunkeln an. Vor dem ersten Schritt vom Festland auf die leicht schwankende Leila – manno, hatte ich Angst! (Man sollte wissen, dass ich für dieses ganze „Drama“ erheblich vorbelastet war: Ich hatte im Januar 2008 einen Schlaganfall, Blutung im Kleinhirn. Das bedeutet, dass ich ziemliche Gleichgewichtsstörungen habe ...) Tja, jetzt sehen Sie mein Abenteuer auch in einem anderen Licht, nicht wahr? Und mit so einer Gleichgewichtsgestörten kann man ja eigentlich an Bord nichts Rechtes anfangen. Ich wurde von allen segeltechnischen Handgriffen suspendiert und musste die Bordkasse führen. Hin und wieder durfte ich auch mal die Fender reinholen und an der Reling verknoten.

Nachdem ich schon den zweiten Tag weder Seekrankheit vermeidende Pflaster noch andere Anti-Schlecht-Tabletten zu nehmen brauchte, adelte mich Skipper Norbert: Ich wäre seetauglich. Das macht mich unheimlich stolz. Okay, reden wir nicht über die zahllosen blauen Flecken, die meinen Körper übersäten. Weil ich zwar ganz gut den breitbeinigen Gang drauf hatte, aber das hinderte mich nicht am Hin- und Herfliegen im Schiff. Schwupps, schon wieder irgendwo angeeckt. Und die wenigen Treppenstufen unter Deck standen für meine

Begriffe ziemlich weit auseinander. Es war mehr ein Schaukeln als Gehen. Aber Germanys next Topmodel wurde hier sowieso nicht gesucht.

Es war eine wunderbare Reise. Jeden Abend legten wir in einem anderen Yachthafen an, mal mit mehr, mal mit weniger Ort drum herum. In Kos und in Marmaris blieben wir sogar zwei Tage liegen. Kos, weil wir erst im Dunkeln angekommen und noch gar nichts von der Stadt gesehen hatten. Und Marmaris – übrigens eine riesengroße Werft – ist der Winterplatz der SY Leila. Wir mussten hier etwas reparieren lassen an der Yacht. Nein, ich weiß nicht, was es war. Schiffstechnisch habe ich keine Ahnung. Um so etwas hat Kai sich gekümmert. Und zwar mit Begeisterung. Ich glaube, Norbert war heilfroh, dass Kai soviel Ahnung von Yachten hatte. Wir haben Kai den Spitznamen „McGyver“ gegeben.

 

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Jutta und Kai in Sel im Restaurant Aurora in Selimiye - Türkei

Zweimal haben wir richtig in der Wildnis übernachtet, in wunderschönen, einsamen Buchten. Norbert, der seit zwölf Jahren den Sommer in dieser Gegend verbringt, kennt sich verdammt gut aus. Er kennt die verschwiegensten Orte. Und die schönsten. Und einmal haben wir im Paradies geankert. Den Namen dieses Paradieses habe ich mir sehr wohl gemerkt. Aber ich werde ihn nicht verraten, denn es soll ja ein Paradies für Insider bleiben. Nur so viel: Es war t r a u m h a f t . Ganz feiner Kiesstrand, der Strand mit weißen Liegen, weißen Sonnenschirmen und großen weißen Liege-Inseln, dicke Matratzen und ein weißer Himmel als Dach drüber. So stellt man sich den Strand auf Mauritius oder auf den Seychellen vor. Ein Restaurant mit Bar gehörte natürlich auch dazu. Inklusive Service am Meer. Es fehlte eigentlich nur noch, dass uns gebratene Tauben in den Mund flogen …

Mittags gab es Salat an Bord. Zum Schnippeln mussten wir aber ankern, denn auf See war es recht stürmisch. Und die Messer waren scharf. Einkaufen gingen wir, wenn wir abends irgendwo an einer Kaimauer festgemacht hatten. Alle Geschäfte entlang der türkischen Küste bieten Lieferservice an die Yacht an. Mit Elektro-Autos wird der Einkauf direkt aufs Schiff geliefert.

Wir haben sogar einen noch viel besseren Service erlebt: nämlich dass Eisverkäufer und Brotlieferanten direkt ans Schiff kamen, als wir jwd (janz weit draußen) den Anker geworfen hatten.

Nach ein paar Tagen und Nächten auf See habe ich gar nicht mehr an meine Gleichgewichtsstörungen gedacht. Nur beim Aussteigen aus dem Wasser hatte ich etwas Mühe, denn auch die Stufen der Wasserleiter hatten einen seeehr großen Sprossenabstand. Aber reingesprungen ins glasklare Wasser bin ich immer direkt vom Schiff aus. Mit einer sauberen Arschbombe.

Die Zeit war wunderbar und verging viel zu schnell. Es war durchgehend 30 Grad warm, wir hatten keine Sekunde Langeweile. Und das alles auf einer so tollen Yacht. Ich kenne nichts von Schiffen, aber jedes Mal, wenn wir abends vor Anker gingen, sprachen uns die Leute von den Yachten neben uns bewundernd an, was das doch für ein wunderschönes Schiff sei.

Mutig bin ich immer wieder die Gangway rauf und runter gegangen. Runter zum Kaffee trinken, zurück aufs Schiff, runter zum Dinner, zurück zum Nightcup.

An Mut hat es mir nie gefehlt. Trotzdem habe ich meinen Freunden daheim angekündigt, dass ich – wenn es gar so schlimm werden würde – das Schiff verlassen und mit dem nächsten Flieger zurück kommen würde. Aber zur Überraschung aller kam ich planmäßig und erst nach zwei Wochen nach Hause.

Als Katja, Kai und ich von Daralam (Türkei) wieder nach Frankfurt zurückflogen, kam Norberts Frau aus Deutschland an. Mit ihr „schipperte“ er nochmal 14 Tage an der türkischen Küste entlang, bevor sie Ende September wieder heimflogen. Norbert übergab die Segelyacht in Marmaris der Reederei. Er verabschiedete sich von seiner SY Leila bis zum Mai nächsten Jahres. Dann kommt er wieder, und dann fährt er wieder kreuz und quer durch seine zweite Heimat, das Meer vor der türkischen Küste. Die andere Leila – seine Frau – nahm er fest in den Arm. Jetzt ist er erst mal wieder den Winter über daheim.

 

 

 

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